Clever Geld anlegen in Zeiten der Krise

Jürgen Schwab von FINANCIAL PLANNING aus Freiburg war einer der Experten bei der Telefonaktion der Badischen Zeitung am Telefon zum Thema „Clever Geld anlegen in Zeiten der Krise“. Als unabhängiger Finanzberater und Vermögensverwalter haben wir gerne wieder die Fragen der BZ-Leser beantwortet. Die häufig gestellten Fragen und die dazugehörigen Antworten (FAQ) haben wir hier für Sie zusammengefasst:

Wäre es richtig Geld in Gold anzulegen, statt auf dem Sparbuch?

Edelmetalle können als Beimischung in einem Vermögensmix durchaus einen sinnvollen Beitrag zur Stabilität leisten. Es kann auch sinnvoll sein, eine Art Notgroschen schnell verfügbar auf dem Sparbuch zu haben, obwohl es dort quasi keinen Zins mehr gibt. Allerdings nur in Gold zu investieren birgt Klumpenrisiken, da der Goldpreis aktienähnliche Schwankungen aufweist. Und nur auf das Sparbuch zu vertrauen, das derzeit weniger Zins abwirft als Kaufkraft durch die Inflation verloren geht, vernichtet langfristig ganz sicher Vermögen. Wir raten deswegen trotz der derzeitig angespannten Lage zu einer ausgewogenen Vermögensverteilung, zu der auch Aktien- und Anleihenfonds als wichtige Bausteine gehören.

Wie sind Geldanlagen in Indexfonds (ETFs – Exchange Traded Funds) zu bewerten?

ETFs können ein günstiges Mittel sein, um breit gestreut in Finanzmärkte zu investieren. Jedoch sollte man nicht unterschätzen, dass bei diesen passiven Produkten niemand aktiv eingreift, wenn die Börsen zur Talfahrt ansetzen. Hier haben dann doch oft von erfahrenen Managern aktiv geführte Fonds trotz der höheren Kosten Vorteile, die zum Beispiel Aktienquoten frühzeitig reduzieren oder Absicherungsstrategien einsetzen können. Im Rahmen einer ausgewogen ausgestalteten Investmentstrategie können ETFs ein sinnvoller Baustein sein, ein Allheilmittel gerade für unerfahrene Anleger sind sie aber sicher nicht.

Ich habe seit ca. 2 Jahren einen Mischfond mit mäßigem Risiko, aktueller Verlust ca. 10 %. Was soll ich tun, halten oder verkaufen?

Grundsätzlich sind Mischfonds, die verschiedene Anlageklassen wie Aktien und Anleihen sowie zum Teil auch Edelmetalle und Immobilienwerte nutzen, ein gutes Investment. Das Risiko verteilt sich so auf mehrere Bereiche und – ohne die genaue Zusammensetzung dieses Produkt zu kennen – sollte es keinen Grund zur Panik geben. Wenn Sie die investierte Summe nicht auf einen Schlag brauchen, dürfte sich eine solide zusammengesetzte Mischung in den nächsten Jahren auch wieder erholen. Generell empfehlen wir mit dem näher rückenden Auszahlungszeitpunkt, den schwankungsanfälligen Anteil im Vermögensemix immer weiter zu reduzieren und dafür lieber auf Renditechancen zu verzichten.

Ich möchte gerne ca. 100.000 € für ca. 10 Jahre anlegen, um dann meine Rente aufzubessern. Ich bin nicht sehr spekulativ unterwegs, eher konservativ. Auch möchte ich möglichst wenig Zeit dafür investieren. Ich habe ein Angebot meiner Hausbank, möchte aber gerne noch eine unabhängige Variante hierzu. Können Sie mir hier Tipps geben?

Sich eine zweite, unabhängige Meinung einzuholen ist immer eine gute Idee. Um Ihnen hier aber einen fachlich fundierten Rat geben zu können, ist ein umfassender Blick auf Ihre finanzielle Gesamtsituation nötig. Haben Sie zum Beispiel eine ausreichende kurzfristig verfügbare finanzielle Rücklage? Leben Sie in der eigenen Immobilie oder zur Miete? Inwieweit deckt Ihr Rentenanspruch Ihre Grundbedürfnisse und mit welchem Betrag soll monatlich die Rente über welchen Zeitraum aufgestockt werden? Eine ausführliche persönliche Beratung kostet Sie zwar etwas Zeit, zahlt sich aber langfristig für Sie aus.

Mein Mann und ich sparen monatlich einen Betrag in Investmentfonds. Sollen wir weiterhin einbezahlen oder die Zahlungen einstellen? Macht die Umlegung des vorhandenen Geldes auf ein Tagesgeldkonto Sinn?

Gerade nach einem Einbruch an der Börse zahlt sich regelmäßiges Einzahlen in einen Fondsparplan oft aus. Denn hier kommt der Cost-Average-Effekt zum Tragen. Sie kaufen jetzt für das gleiche Geld einfach mehr Anteile als bei hohen Börsenständen. Deswegen treffen Sie Schwankungen auf einen langen Zeitraum gesehen weniger stark. Natürlich gibt es keine Garantie, dass wir schon morgen wieder höhere Kurse sehen. Aber wenn Sie hier ein langfristiges Projekt verfolgen, ist es sicher keine rentable Alternative, jetzt alles Kapital komplett auf dem Tagesgeldkonto zu packen. Die Zinsen werden dort auf unabsehbare Zeit niedrig bleiben und selbst eine geringe Inflation wird so auf Dauer Kaufkraft vernichten.

Sehr geehrte Damen und Herren, ich möchte gerne 50.000 € in Wertpapiere investieren. Anlagehorizont wäre etwa 2-3 Jahre. Wann ist der beste Zeitpunkt zum einsteigen und welches Wertpapier würden Sie mir vorschlagen?

Den perfekten Einstiegszeitpunkt kann niemand seriös vorhersagen, deswegen würden wir vorschlagen, einzelne Tranchen zu verschiedenen Zeitpunkten zu investieren. Statt auf ein einzelnes Wertpapier zu setzen, empfehlen wir generell eine gestreute Anlage in diversifizierte Fonds, um Risiken zu verteilen. Ihr Anlagehorizont ist mit zwei bis drei Jahren für den Aktienmarkt eigentlich zu kurz, deswegen sollten Sie defensive Produkte mit geringer Schwankungswahrscheinlichkeit bevorzugen.

Ich will einen Betrag von ca. € 50 TSD anlegen. Zu was raten Sie mir. Aktien,Wertpapiere, Gold usw.

Sie sollten zunächst den berühmten Notgroschen als Reserve zurücklegen. Danach ist es ratsam eine gute Streuung nach Aktien, Renten, aber durchaus auch Gold anzulegen. Die exakte Aufteilung der Anlagen hängt von ihrem persönlichen Sicherheitsbedürfnis bzw. Ihrer Risikobereitschaft ab und vor allem auch, wie lange sie das Geld anlegen können. Eine gute Lösung könnte ein breit gestreuter Mischfonds sein.

Ich möchte eine sechsstellige Summe in Aktien anlegen. Ich habe bis jetzt keinerlei Erfahrung und möchte das Geld soweit möglich eher konservativ anlegen. Was ist bei den gegenwärtigen Turbulenzen ratsam?

Wenn Sie eher konservativ anlegen möchten, ist eine reines Aktieninvestment wahrscheinlich nicht das richtige für Sie. Gerade wenn Sie keine Erfahrung haben, sollten Sie so eine Summe nicht ohne Beratung anlegen und dann unter Umständen ordentlich Lehrgeld zahlen. Investieren Sie dafür lieber in etwas Zeit, um sich verschiedene Angebote anzuhören, sich mit der Funktionsweise intensiv beschäftigen und dann mit Bedacht auszuwählen, was am besten zu Ihrem Chance-Risiko-Profil passt.

Ich habe einen größeren Betrag von insgesamt ca.150.000 € angelegt, ca. 15.000 € in Aktienfonds mit Risiko und ca. 135.000 € mit mäßigem Risiko.Ich habe letzte Woche alles verkauft mit ca. insgesamt 2.000 € Verlust. Meine Frage lautet hab ich richtig gehandelt?Das Geld liegt jetzt auf dem Sparbuch.Wie soll ich jetzt vorgehen.

Wenn Sie bei einem investierten Kapital von 150.000 Euro in den letzten Wochen nur 2.000 Euro Verlust gemacht haben, war der Verkauf sicher kein Fehler. Jetzt aber ewig das Geld ohne reale Verzinsung auf dem Sparbuch liegen zu lassen, wird langfristig keine gute Alternative sein. Nachdem Sie ja schon offensichtlich Investmentgespür haben, wäre ein schrittweiser Wiedereinstieg eine Option, um die Erholungsbewegung nicht zu verpassen.