Der etwas andere Jahresrückblick – Gedanken zum Jahresende

Das sich dem Ende zuneigende Jahr hat für Jeden von uns unterschiedlichste Früchte getragen. In vielen geschätzten Kundengesprächen wird uns der Eindruck vermittelt, die Welt habe sich rasch verändert und man werde mehr von außen gesteuert. Vielfach folgt der Hinweis, dass dieser Eindruck dazu führe, Entscheidungen des täglichen Lebens entweder ängstlich oder gar nicht zu treffen.

Uns Anlageberatern/Vermögensverwaltern geben die Kunden vielfach das „Finanzsteuer“ in die Hand. Die Kunst des Steuerns hat für uns viel mit der Suche einer Mitte zu tun. Diese Mitte versucht verschiedenste Faktoren, wie beispielsweise die Risikobereitschaft unserer Anleger oder auch die Bedeutung der Geldpolitik der Notenbanken und deren Einflussnahme auf die wirtschaftliche Entwicklung – und somit auch auf die verschiedenen Anlageklassen – miteinander in Einklang zu bringen.

Ein „Erdankömmling“, der ausschließlich die 2019er Kursverläufe von Aktien und Anleihen betrachtet, würde sich wahrscheinlich im Schlaraffenland wähnen. Wir, die wir uns täglich mit Nachrichten, Kursverläufen und Anlegerpräferenzen befassen, sehen auch ganz viel vom Schlaraffenland. Die Erfahrung lehrt uns auch, regelmäßig einen Perspektivenwechsel durchzuführen. Jeder Perspektivenwechsel ließ uns insgesamt positiv in die Zukunft blicken – da sich an jedem Tag, in jeder Marktphase geschäftliche und persönliche Chancen zeigten.

Es steht uns nicht zu, öffentlich über politische Entwicklungen zu urteilen – in der Reflektion unseres täglichen Tuns entsteht jedoch der Eindruck, dass die Politik zunehmend den Weg der Polarisation bzw. Abgrenzung geht und der Pfad der Mitte mehr oder weniger bewusst verlassen wird.

In Zeiten von „YouTube, Facebook & Co.“, sahen sich die wirtschaftlichen und politischen Lenker, wie auch die Notenbanken (die Richter über die Geldpolitik) im Jahre 2019 sicherlich wachsenden Herausforderungen gegenüber. Wie reagieren die Menschen in Zeiten schwachen Wirtschaftswachstums auf Massenphänomene, Massenaufrufe oder Panikmachen – erst recht, wenn diese von höchster Stelle, dem Weißen Haus in den USA in mehr oder weniger feinen Dosen induziert werden?

Wer die täglichen Wallstreet-Podcasts des Börsenprofis Markus Koch verfolgt, dem wird bewusst, dass der „Börsenwind“ aufgrund weniger zielgerichteter Aussagen aus dem Weißen Haus, bereits innerhalb weniger Sekunden drehen kann.

Die „Kunst des Steuerns“ wird auch als Kybernetik bezeichnet. Im Falle der Kybernetik handelt es sich unter anderem um die Steuerung/Veränderung sozialer Gemeinschaften aufgrund der Rückkopplung durch Kommunikation und Beobachtung. Einfacher ausgedrückt handelt es sich um gezielte und vielfach auch machtvolle Bewusstseinssteuerung (u. a.) durch Social Media. Und so dürfen sich Kapitalmarktforscher in der Frage, wie Börsenkurse zustande kommen, diesem weiteren psychologischen Feld zuwenden.

Die persönliche Freiheit ist ein wichtiges Gut. Daher beschränken wir uns in Sachen Kybernetik vorrangig mit dem Teil, der mit Kapitalmarktentwicklungen zu tun hat. An der Stelle, wo es um mögliche Interessenskonflikte bzw. mit der Missachtung von Kundeninteressen geht, ziehen wir eine klare Linie.

Vielleicht haben Sie auch Lust, im Alltag einen Perspektivenwechsel zuzulassen. Wenn Sie schon heute damit beginnen möchten, laden wir Sie mit folgender Aussage dazu ein:

Es gibt nur wenige Menschen, die Börsenkurse mit wenigen Aussagen in die eine oder andere Richtung bewegen können. Es sind die politischen und geldpolitschen Lenker. Diesen Menschen ist es kraft ihres Amtes untersagt, selbst an den Börsen zu agieren – weil sie damit Interessenskonflikten unterlägen.

Die Suche nach dem, was den persönlichen Kurs und den Kurs an der Börse macht, darf also weitergehen.

Wir freuen uns auf weitere Gespräche mit Ihnen!

Sascha Anspichler im Dezember 2019