FP-Anlageausschuss-Report vom 17. Juni 2021

Die Finanzmärkte haben sich auch im 2. Quartal dieses Jahres von ihrer freundlichen Seite gezeigt. Es gab zwar zwischenzeitlich immer mal wieder schwächere Tage, diese wurden aber von den Marktteilnehmern zur Auf­stockung der Positionen genutzt. Es ist zu beobachten, dass die Trends an den Märkten sich schneller ändern und die Gewinner von heute die Verlierer von morgen sein können und umgekehrt.

Interessant zu sehen ist, dass das Hauptthema an den Kapitalmärkten nicht mehr Corona, sondern die Inflation und die künftige Inflationsent­wicklung ist! Die jüngsten Inflationszahlen in den USA sind in der Kernrate gegenüber dem Vorjahr um 3,8 % gestiegen. Hier ist aber zu beachten, dass dort der Höhepunkt der ersten Corona-Welle war. Zuletzt stieg die Teuerung sehr konzentriert in einigen Teilbereichen, z.B. bei Gebraucht­wagen sowie Rohstoffen und hier insbesondere im Öl- und Energiebereich. In Deutschland und Europa liegen die Teuerungsraten bei 2,5 % bzw. 2 % im Vergleich zum Vorjahr. Die entscheidende Frage für die Zukunft ist, ob der Inflationstrend anhält bzw. sich verstärkt, oder wieder abschwächt? Die Notenbanken, insbesondere die US-Notenbank (FED), und auch viele Analysten gehen von einer temporären Inflation aus. Hintergrund ist die „Wiedereröffnung“ der Wirtschaft und die Zurverfügungstellung von umfangreichen finanziellen Hilfsmaßnahmen. Aktuell sind die Inflationserwartungen wieder etwas zurückgekommen.

Ungeachtet der höheren Inflationsraten haben die weltweiten Notenbanken ihre Politik des billigen Geldes bzw. den Kauf von Anleihen beibehalten. Die US-Notenbank (FED) hat erstmals angedeutet, dass die ersten Zins­erhöhungen bereits ein Jahr früher (2023) beginnen könnten. Die euro­päische Notenbank (EZB) möchte sich hier noch bis ins Jahr 2024 oder auch länger Zeit lassen. Der monatliche Ankauf von Anleihen (in den USA 120 Mrd. und in Europa 80 Mrd. pro Monat!) wird vorerst beibehalten. Die Amerikaner haben aber angedeutet, dass das Tempo der Anleihekäufe reduziert wird („Tapering“). Der Rückblick auf die letzten Jahre zeigt, dass die Ankündigung dieser Maßnahmen auf die Finanzmärkte kurzfristig negativ sein können, langfristig aber geringe Auswirkungen haben. Erst ein langfristiger US-Zinssatz über 2 % (aktuell ca. 1,5 % für 10 Jahre) könnte die Marktstimmung nachhaltig belasten.

Neben der Notenbank- bzw. Zinspolitik (die monetäre Situation ist oft mit die wichtigste für die Kapitalmärkte) wird in Deutschland in naher Zukunft sicher die Bundestagswahl im Herbst stärker in den Fokus rücken. Hier ist zu beobachten, dass die Aussetzung der Schuldenbremse und die weitere Neuverschuldung von allen Parteien mit als Lösung gesehen wird. Positiv im politischen Bereich ist sicherlich die Ruhe, die sich nach Donald Trump gebildet hat. Ungeachtet dessen hat sich die Politik zwischen den USA und China nicht geändert, sondern eher noch verschärft.

Die konjunkturelle Situation sieht global betrachtet, bis auf die Probleme mit den Lieferketten, optimistisch aus. So erwartet man in den USA Wachs­tumsraten von 7 % und in Europa von um die 3 %. Entscheidend wird hier der weitere Verlauf der Corona-Situation sein, vor allem ob wir eine mögliche vierte Welle im Herbst/Winter dieses Jahres sehen.

Aktienmärkte
Die globalen Aktienmärkte haben ihre seit 12 Monaten andauernde positive Entwicklung auch in diesem Quartal fortgesetzt. Aktuell ist zu beobachten, dass sich die Trends in kurzer Zeit verändern und dies die Branchen- und Ländergewichtung anspruchsvoller macht. Auf mittlere bis lange Sicht sind wir weiterhin positiv für die Aktienmärkte eingestellt. Unserer Meinung nach bieten die Kurse durch die besseren Konjunkturerwartungen und den Ge­winnanstiegen der Unternehmen noch Aufwärtspotenzial. Zudem spricht die aktuelle Liquiditätslage und der Mangel an Anlagealternativen noch für die Aktienmärkte. Unsere Erfahrung zeigt, dass es oft ratsam ist, dem Markt nicht zu früh den Rücken zu kehren, da die Trends meist länger anhalten, als man erwarten würde.

Anleihemärkte
Die Zinsen sind in den ersten 3 Monaten dieses Jahres in den USA von ca. 0,9 % für zehnjährige Staatsanleihen auf bis zu 1,7 % im März angestiegen. Entsprechend haben die Anleihekurse nachgegeben. In diesem Quartal haben sich die Zinsen auf diesem Niveau seitwärts bzw. ab Ende Juni nach der US-Leitzinsentscheidung, leicht abwärts entwickelt. Diese Entwicklung wird von den aktuellen und künftigen Preisdaten und der weiteren Inflationsentwicklung bzw. deren Erwartung abhängen. Wir analysieren die Situation deshalb weiterhin sehr engmaschig für Sie und passen unsere Prognosen und Handlungen bei Bedarf aktiv an.

Gold
Das Edelmetall Gold hat sich im 2. Quartal positiv entwickelt. Allerdings haben die Aussagen der US-Notenbank zu möglichen Zinserhöhungen in 2 Jahren und die im Anschluss wieder aufgekommene Stärke des US-Dollars, die Edelmetallmärkte insgesamt in der zweiten Junihälfte einge­trübt. Auf mittlere bis lange Sicht erscheinen uns die Zukunftsperspektiven im beschriebenen Zins- und Geldmengenumfeld für Gold bzw. die Edel­metalle insgesamt, weiterhin positiv.