FP-Anlageausschuss-Report vom 23. September 2020

Die US-Notenbank (FED) hat in ihrer jüngsten Zentralbankrat-Sitzung angekündigt, die Zinsen bis im Jahr 2023 auf dem derzeitigen Zins-Niveau „nahe null“ zu belassen – gegebenenfalls auch noch darüber hinaus. Höhere Inflationsraten werden so in Zukunft offensichtlich in Kauf genommen, um die Marktteilnehmer bzw. die verunsicherte Wirtschaft zu beruhigen. Die europäische Zentralbank (EZB) hat ebenfalls bereits verlauten lassen, höhere Inflationsraten zu tolerieren und die Zinsen auf längere Zeit sehr niedrig bzw. bei 0 % zu halten. Ein solcher Strategieschwenk bzw. ein Zins-Bekenntnis über eine so lange Zeit, wären unlängst noch undenkbar gewesen, aber die aktuellen Rahmenbedingungen machen dies nun möglich.  

Auf dieser Basis sind höhere Bewertungen sowohl bei Aktien, als auch bei Qualitätsanleihen und Sachwerten wie z.B. Edelmetalle, wahrscheinlich. Neben der massiven Unterstützung der Notenbanken wird die Wirtschaft auch stark durch die Politik unterstützt. So wurde beispielsweise in Deutschland das Kurzarbeitergeld verlängert und die Mehrwertsteuer bis Jahresende reduziert. In den USA wird aktuell noch um ein weiteres Konjunkturpaket gerungen. Es erscheint aber fraglich, ob man sich im Umfeld des beginnenden US-Wahlkampfs kurzfristig einigen kann. Aktuell sind die Wirtschaftsprognosen global sehr unterschiedlich. In China ist eine deutliche wirtschaftliche Erholung zu erkennen. Dies ist in Deutschland und in den USA auch der Fall, wobei für das 4. Quartal gerade Unsicherheiten durch die Corona-Situation und die Geo-Politik aufziehen. Hier sind unter anderem die Spannungen zwischen den USA und China zu nennen und die Tatsache, dass ein „No-Deal-BREXIT“ wieder wahrscheinlicher geworden ist. Die Präsidentenwahl in den USA wird zudem bis Anfang November immer stärker in den Fokus der internationalen Anleger rücken.

In den letzten Wochen sind die Corona-Fallzahlen, insbesondere in Teilen von Europa, wieder deutlich angestiegen. Dies hat zu Befürchtungen geführt, dass es in einzelnen Ländern wieder zu Lockdowns kommen könnte. Auf der anderen Seite besteht die Hoffnung, dass in den nächsten Monaten ein Impfstoff gefunden werden könnte. Dies könnte durchaus dazu führen, dass die wirtschaftliche Aktivität wieder deutlicher zulegt und die Zukunftsperspektiven sich aufhellen.

Aktienmärkte

Nach einer sehr starken Aufholphase haben die globalen Aktienmärkte in den letzten Wochen wieder etwas konsolidiert. Ein Grund dürfte neben den wieder ansteigenden Corona-Zahlen in Europa, die Phase von Gewinnmitnahmen bei US-Technologieaktien sein. Interessant ist hier, dass fünf Technologie-Aktien (die sog. Big 5) im amerikanischen Leitindex S&P 500 knapp ein Viertel der Gewichtung und knapp die Hälfte beim Technologieindex Nasdaq ausmachen. Somit ist die Abhängigkeit von der Entwicklung dieser Werte zwischenzeitlich immens geworden, auch für den weltweiten Aktienmarkt.

Wir erwarten mittel- bis langfristig positive Kurse an den Aktienmärkten, insbesondere durch die massive Liquiditätsausweitung, wobei kurzfristig die Schwankungen durch die dargestellten Herausforderungen (Corona, US-Wahl, Brexit) noch etwas andauern könnten. 

Anleihemärkte

In den letzten Monaten haben sich die Kurse der Rentenpapiere und damit die Anleihemärkte stabil gezeigt. In Zukunft wird sich zeigen, ob es den Notenbanken auch weiterhin gelingt, die Abwertung der Bonitäten zahlreicher Unternehmen (sog. Downgrades), durch die massiven Anleihekäufe zu kompensieren.

Durch die dargestellte Niedrigzinssituation und den unterstützenden Aktivitäten der Politik rund um den Globus, erwarten wir eine Fortsetzung des Seitwärtstrends bei den festverzinslichen Wertpapieren.

Gold

Das Edelmetall Gold hat in diesem Quartal ein Rekordhoch von über 2.000 USD pro Unze erreicht. In der Folge haben Gewinnmitnahmen und der wieder stärker werdende US-Dollar zu Kursrückgängen geführt. In Verbindung mit festen Aktienmärkten ist hier, ebenso wie beim Silber, für die nächsten Wochen durchaus noch mit Volatilität zu rechnen. Mittel- bis langfristig erscheinen die Zukunftsperspektiven von Gold im Nullzins-Umfeld positiv.