FP-Anlageausschuss-Report vom 17. Dezember 2020

Das Jahr 2020 wird sicher in vielerlei Hinsicht in die Geschichtsbücher eingehen! Die weltweite Corona-Pandemie hat zu tiefgreifenden Ver­änderungen in unserem Leben, der Gesellschaft, der Wirtschaft und nahezu in allen Bereichen des Zusammenlebens geführt. Nach dem historischen Kurseinbruch im März dieses Jahres haben sich die Kapital- und Finanzmärkte, durch die beherzte Fiskal- und Geldpolitik, wieder stabilisiert. Viele Märkte sind aktuell wieder auf den Niveaus vom Jahres­anfang, oder teilweise sogar darüber, angekommen. Diese V-förmige Erholung hatten die meisten Marktteilnehmer so nicht erwartet, vielmehr ist man von einer langsameren Entwicklung ausgegangen.

Im vergangenen Quartal haben die Kapital- und Finanzmärkte erneut ein sehr bewegtes Kapitel hinter sich. Nachdem die globalen Aktienmärkte im Oktober deutlicher korrigiert haben, wurden diese Rückgänge im Novem­ber mehr als ausgemerzt und wir haben einen sehr starken November-Anstieg erlebt. Der Wahlsieg von Joe Biden in den USA hat für eine Erleichterungsrally gesorgt. Hier erhofft man sich politische Kontinuität, ein Abbau von Handelshemmnissen und konjunkturellen Stimulus. Überdies wird erwartet, dass die USA dem Pariser Klimaabkommen wieder beitreten und ihr Engagement beim Klimaschutz erhöhen. Dies könnte auch ein Impuls bzw. Signal für nachhaltige Kapitalanlagen darstellen, die wir immer stärker bei unseren Investitionsentscheidungen berücksichtigen.

Eine noch einflussreichere Meldung für die Finanzmärkte war die Nach­richt, dass ein Impfstoff gegen das Corona-Virus verfügbar ist. Die ersten Impfungen in einigen Ländern haben bereits stattgefunden und auch bei uns in Deutschland soll bald die Impfung gegen das Corona-Virus möglich sein. Durch den Impfstoff erhofft man sich eine schrittweise Rückkehr zur „Normalität“ im Laufe des nächsten Jahres. In diesem Quartal sind die Corona-Neuinfektionen leider global nochmals deutlich gestiegen und viele Länder, wie auch Deutschland, haben wieder Lockdown-Maßnahmen ergriffen. Die Kapital- und Finanzmärkte schauen aber bereits in die Zukunft und antizipieren eine deutliche wirtschaftliche Erholung in den Jahren 2021/2022.

Die dritte positive Nachricht stellt die weiterhin massive Unterstützung der Wirtschaft und des Finanzsystems durch die Zentralbanken und Staaten dar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat weitere 500 Mrd. für Wert­papierkäufe in Aussicht gestellt, zudem wurden von den Staaten die EU- Rettungsmaßnahmen beschlossen. In den USA wurde ein weiteres Kon­junkturpaket über 900 Mrd. USD verabschiedet. Aus unserer Sicht werden weltweit weitere Rettungsmaßnahmen und Hilfspakete folgen. Die Aussage von Ex-EZB-Chef Mario Draghi: „Whatever it takes!“, ist nun global Realität der Notenbank-Politik geworden. Noch offen sind die weiteren Auswirkungen des „Brexit-Poker“. Die hohe Liquidität bzw. die Notfallhilfen sorgen dafür, dass der Mangel an Anlagealternativen die Aktien-, Anleihen-, Immobilien- und Edelmetallmärkte weiterhin stützt.

Aktienmärkte

Die globalen Aktienmärkte haben nach einem schwachen Oktober, in den darauffolgenden Wochen die Rückgänge mehr als kompensiert. Anfang des Jahres wird man klarer sehen, wie die Wirtschaft in das neue Jahr startet. Vieles hängt weiterhin mit der Corona-Situation zusammen, was Prognosespielräume offenlässt. Auf mittlere bis längere Sicht sind wir durchaus positiv für die Aktienmärkte eingestellt. Wir gehen davon aus, dass Investoren für die Marktschwan­kungen entlohnt werden, insbeson­dere durch die Liquiditätssituation und den Mangel an Anlagealternativen.

Anleihemärkte

In den letzten Monaten haben sich die Anleihemärkte sehr stabil gezeigt. Interessant ist die Tatsache, dass die EZB in 2020 in etwa genauso viel an Staatsanleihen aufgekauft hat, wie die Länder zuvor zur Finanzierung der Staatsverschuldung an den Markt gebracht haben! Dies bedeutet, dass die EZB die neuen Staatsschulden „in die eigenen Bücher“ kauft. Aktuell haben wir global betrachtet nur geringe Preissteigerungsraten, da die wichtige Umlaufgeschwindigkeit des Geldes sinkt. Die Notenbanken drucken zwar Geld, das aber zum Großteil nicht in den Umlauf kommt, da die Konsumenten und Unternehmen derzeit krisenbedingt sparen bzw. weniger investieren. In den kommenden Jahren werden wir sehr genau beobachten, wie sich die Inflationsraten entwickeln.

Gold

Das Edelmetall Gold hatte, wie auch Silber, ein gutes Gesamtjahr 2020. Nachdem zum Jahresende die Finanzmärkte wieder in den „Risk-On-Modus“ geschaltet haben, war Gold eher nicht mehr so gefragt. Ergänzend hat der schwache US-Dollar das Edelmetall eher ausgebremst. Mittel- bis langfristig erscheinen die Zukunftsperspektiven für Gold und die anderen Edelmetalle im Nullzins-Umfeld sehr positiv.