FP-Anlageausschuss-Report vom 17. März 2021

Die Kapitalmärkte sind vielversprechend in das neue Jahr gestartet. In den letzten Wochen haben allerdings die Börsen-Favoriten des vergangenen Jahres, wie z.B. die Technologiewerte, Schwellenländeraktien und nachhaltige Anlagen, ihre Jahresgewinne teilweise wieder abgegeben bzw. sind je nach Marktsegment leicht ins Minus gerutscht.

Diese Entwicklung hängt damit zusammen, dass die US-Zinsen im mittel- bis langfristigen Laufzeitensegment teilweise überraschend deutlich angestiegen sind. In Europa war die Entwicklung bisher nicht ganz so dynamisch. So sind die Zinsen für 10-jährige US-Staatsanleihen, von ca. 0,9 % am Jahresanfang auf über 1,7 % im März, angestiegen. Diese Zinssteigerung hat zu Rückgängen bei den Kursen von US-Rentenpapieren geführt. Aus diesem Grund haben auch die Börsenkurse von Unternehmen, die wachstumsorientiert ausgerichtet und somit stärker von Fremdkapital abhängig sind, korrigiert. Ergänzend haben Investoren in den letzten Wochen teilweise auch Gewinne realisiert. Auf der anderen Seite haben nach langer Zeit zum ersten Mal wieder Dividenden- und Substanzwerte an Stärke gewonnen, nachdem diese sich in den letzten Jahren eher schwächer entwickelt hatten, wie z.B. der deutsche Aktienmarkt im Vergleich zur technologielastigeren USA. Wir beobachten diese Situation weiterhin genau, sind aber nach wie vor der Überzeugung, dass eine ausgewogene Depotstrategie neben Substanzwerten auch Wachstumswerte beinhalten sollte. 

Ansonsten hält die Corona-Situation, die Gesellschaft, die Wirtschaft und jeden Einzelnen in ihrem Bann. Viele Länder haben wieder Lockdown- Maßnahmen ergriffen bzw. verschärft oder verlängert. Andere Staaten, die Erfolge bei den Impfungen und in der Eindämmung der Pandemie erzielen konnten, profitieren teilweise auch stärker an den Finanzmärkten.

Die Kapitalmärkte schauen aktuell aber bereits in die Zukunft und antizipieren eine deutliche wirtschaftliche Erholung in den nächsten Jahren. So erwartet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ein globales Wachstum in Höhe von 5,6 % in diesem Jahr. Dieses Wachstum soll in den USA 6,5 % betragen, während es für Deutschland „nur“ bei 3 % liegen soll. 

Sehr unterstützend wirkt weiterhin die Politik der Notenbanken. Die Europäische Zentralbank führt ihr Anleihekaufprogramm im Volumen von insgesamt über 1,85 Billionen Euro weiter fort. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass der ehemalige EZB-Notenbankpräsident Mario Draghi nun italienischer Ministerpräsident ist. Die US-Notenbank FED hat in ihrer Sitzung Mitte März auch nochmals bestätigt, dass sie trotz höherer Inflationsraten, an ihrer „Politik des billigen Geldes“ bis ins Jahr 2023 festhalten möchte. Dies bestätigt unsere Erwartung auch weiterhin stark stützender Maßnahmen durch die globalen Notenbanken.

Diese hohe Liquidität und ansteigende Geldmengen sorgen dafür, dass der Mangel an Anlagealternativen, begrenzte Sachwerte wie die Aktien-, Immobilien- und Edelmetallmärkte, weiterhin stützt.

Aktienmärkte

Die globalen Aktienmärkte sind mit neuem Schwung in das Jahr 2021 gestartet. Aktuell ist es interessant zu beobachten, welche Anlagestile sich stärker durchsetzen werden. Sind es künftig eher wieder Value-Werte (Substanzaktien), oder doch weiterhin Growth-Werte (Wachstumstitel). Wie bereits skizziert vertrauen wir auch in Zukunft auf beide Segmente, also auf ein „sowohl als auch“ statt eines „entweder/oder“. Auf mittlere bis lange Sicht sind wir weiterhin durchaus positiv für die Aktienmärkte eingestellt. Wir gehen davon aus, dass man auch in Zukunft für die Marktschwankung (Volatilität) entlohnt wird, insbesondere durch die üppige Liquiditätssituation und den Mangel an Anlagealternativen.

Anleihemärkte

Die Anleihekurse und damit die Rentenmärkte, haben sich in diesem Jahr bisher schwächer gezeigt, was mit dem starken Zinsanstieg in den USA zusammenhängt. Wir beobachten aktuell sehr genau, wie sich die globalen Inflationsraten bzw. die Inflationserwartungen weiterentwickeln. Hier haben wir dieses Jahr einen relativ starken Anstieg gesehen, was unter anderem durch die deutlich gestiegenen Ölpreise begründet ist. Es wird sich in den kommenden Monaten zeigen, ob dieser Anstieg tatsächlich nachhaltig, oder doch eher temporärer Natur ist.   

Gold

Gold ist im aktuellen Jahr bei Investoren bisher weniger nachgefragt worden. Begründet wird dies mit den gestiegenen Zinsen und moderaten Inflationserwartungen, weshalb Investoren das Edelmetall eher nicht mehr so im Fokus haben. Hinzu kommt eine insgesamt optimistischere Einschätzung der wirtschaftlichen Zukunft, so dass Gold zur Absicherung derzeit als weniger notwendig erachtet wird. Mittel- bis langfristig erscheinen uns die Zukunftsperspektiven im beschriebenen Zins- und Geldmengenumfeld für Gold jedoch weiterhin positiv.

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